Antiquitatum Thesaurus

Bärtiger Mann mit Wildschwein vor einer Kultstatue [nicht identifiziert]

Herstellung

Klassifikation und Beschreibung

Sachbegriff:
Klassifikation:
Beschreibung:
Form unklar, Querformat Vorderseite: eine Figur; männlich; bärtig; bekleidet; Exomis; sitzend; Tisch; Vase; Tier; Wildschwein; Basis; Kultbild; Thyrsos; Baum Links sitzt ein bärtiger, ältere Mann auf einem unidentifizierten Objekt und beugt sich nach vorne über einen runden Tisch. Er trägt ein kurzes Gewand, das seine rechte Schulter freilässt (Exomis). Mit der linken Hand hält er den Hinterlauf eines kleinen Wildschweins fest, das sich nur noch auf seine beiden Vorderbeine stützt. Die rechte Hand stellt (oder hebt) eine Kanne auf den Tisch, wo bereits eine weitere Kanne steht. Rechts des Tisches steht eine kleine Kultsstatue auf einer trommelförmigen Basis, die wiederum auf einem quaderförmigen Sockel aufsitzt. Die Statue trägt ein langes Gewand und einen Mantel, die Haare sind kurz oder hochgebunden. In der rechten Hand hält sie einen Thyrsosstab. Am rechten Bildrand steht ein Baum, der sich hinter der Statue vorbei über den Tisch beugt. An dem Ast hängt ein rundes Objekt, vielleicht eine Zimbel.

Provenienz

Datierung: 
1501 - 1600
Anmerkung: 
Die Gemme ist Teil der Grafikserien von B. Franco und E. Vico, die eine Auswahl von geschnittenen Steinen der Sammlung abbilden, die im Verlauf des 16. Jahrhunderts verschiedenen Mitgliedern der Familie Grimani gehörte.
Besitzer*in:
Datierung: 
1528
Anmerkung: 
Inventar von 1528: „Uno cammeo di uno vecchio sentato che sacrifica un porco a uno idolo in piedi"; Paschini 1926-27, S. 179
Institution:
Datierung: 
1701 - 1800
Anmerkung: 
"Cose del Museo Nani" (undatiertes Inventar aus dem 18. Jh.): "35. Altra di tre colori che rappresenta il simulacro di Bacco stante sopra un cippo: porta con la destra il tirso, con la sinistra il bocale et un vecchio sedente sotto l'arbore, che consacra e ripone nell'ara di Bacco un vaso di vino assieme con un capretto."; Levi 1900, Bd. 2, S. 272. Lemburg-Ruppelt 2002 datiert das Inventar auf "um 1700"; Favaretto, De Paoli 2009 vermuten Bernardo (1712-1761) oder Giacomo Nani (1725-1797) als mögliche Auftraggeber des Inventars.

Allgemeiner Kommentar

Kommentar:
La Monica 2016, S. 74-78 schlägt für die Abbildung in den Grafikserien von B. Franco bzw. E. Vico eine Gemme aus der Ermitage (Inv.-Nr. К-2332, s. Vergleichbares Objekt) als Vorlage vor und argumentiert, dass die Gemme im 18. Jh. (zwischen der Erwähnung im Nani-Inventar und der Wiedergabe der Gemme bei Miliotti 1803, S. 84 als Teil der Petersburger-Sammlung) ihr Aussehen verändert habe, indem der rechte Teil mit Kultstatue und Baum entfernt worden sei. Damit widerspricht sie Neverov 1984, S. 23 sowie Lemburg-Ruppelt 2002, S. 114, die der Ermitage-Gemme eine andere Abbildung der Franco-/Vico-Serien (Thesaurus-ID 23961236) zuordnen. Diese weicht aber von der Gemme in zahlreichen Merkmalen ab, etwa in der Darstellung des vollen Haares und des Stabes im linken Arm der männlichen Figur, im Fehlen des Tisches und in der Darstellung des Tieres, das eher an einen zutraulichen Hund als an ein geopfertes Wildschwein erinnert.
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Nachweise

Bibliographie:
Alphonse Miliotti: Description d‘une Collection de Pierres gravées, qui se trouvent au Cabinet Imperial à St. Petersbourg, Bd. 1, 1803, S. 84
 
Cesarae Augusto Levi: Le collezioni veneziane d'arte e d'antichità dal secolo XIV. ai nostri giorni, Venedig 1900, Bd. 2: Documenti, S. 272
 
Pio Paschini: Le Collezioni archeologiche dei Prelati Grimani del Cinquecento, in: Atti della Pontificia Accademia Romana di Archeologia, Serie III, Rendiconti V (1926-27), S. 149-190, hier S. 179
 
Lemburg-Ruppelt 2002, S. 88, 114
 
Neverov 1984, S. 23, 29
 
Favaretto, De Paoli 2009, S. 275
 
La Monica 2016, S. 74-78